Ja, auch bei Dokumenten und Präsentationen kann man für Barrierefreiheit sorgen. Dabei gelten die Grundsätze, die hier schon zu HTML beschrieben wurden.

Die Frage nach dem “Warum?”

Ich nehme euch mal mit auf eine gedankliche Reise. Stellt euch vor, ihr seht nichts und befindet euch beispielsweise auf einem Barcamp. Keine Angst. Die Punkte, Veranstaltungsräume zu finden und euch im Menschengewirr zurecht zu finden lassen wir mal raus. Ihr seid also unfallfrei bei dem Vortrag angekommen, dem ihr folgen wollt. Der oder die Vortragende hat einige Folien zur Unterstützung des Vortrags an die Wand geworfen, an denen sich Zuhörer immer mal wieder orientieren. Euch bleibt aber nur, äußerst aufmerksam zuzuhören. Je nach Vortragsstil und Konzentration geht das. Aber euch wird immer etwas entgehen.

Momentan können wir alle keine Veranstaltungen vor Ort besuchen. Das hat jedoch nicht nur Nachteile. Denn beispielsweise in BigBlueButton ist es mir nun möglich, während eines Vortrags die Präsentation in Echtzeit, so wie sehende Zuhörende auch, mit zu lesen. Das geht aber nur dann, wenn ein paar Grundregeln befolgt wurden. Die gute Nachricht ist, dass vieles davon ohne viel Aufwand umsetzbar ist. Und ihr sorgt zusätzlich dafür, dass eure Präsentationen oder Dokumente durchsuchbar werden. Aber dazu später mehr. Fangen wir vorne an:

Struktur

Egal ob Dokument oder Präsentation. Beides braucht eine schlüssige Struktur. Ein Text liest sich besser, wenn er in Absätze gegliedert ist. Noch schneller findet man, wonach man sucht, wenn Themenblöcke mit passenden Überschriften eingeleitet werden. Als Sehende orientiert ihr euch dabei an der Formatierung.

Genau diese Orientierungsmöglichkeit könnt ihr nutzen, um eure Dokumente barrierefrei zu gestalten. Statt Beispielsweise in LibreOffice Writer einfach nur die schriftgröße zu erhöhen könnt ihr mit Absatzformatierungen die Überschriften so hervorheben, dass sie hübsch aussehen und dazu auch für Screenreader als solche zu erkennen sind. Ihr müsst dafür sogar weniger klicken. Weniger Arbeit für euch und mehr Übersicht für mich. Klingt doch nach einem guten Deal.

Bilder

Bilder lassen sich, genau wie in HTML mit einer Bildbeschreibung versehen. Am Beispiel von LibreOffice Writer erkläre ich, wie das geht:

Ich wurde vor kurzem darauf angesprochen, dass man gern handschriftliche Präsentationen verwendet und, dass das vermutlich nicht barrierefrei möglich sei. Doch, das geht. Sofern die Präsentation im Vorfeld angefertigt wird, könnt ihr die einzelnen Seiten oder Präsentationsfolien als Grafikdateien exportieren und diese in eine neue Präsentation oder ein neues Dokument einfügen. Habt ihr das gemacht, könnt ihr, wie eben beschrieben, Alternativtexte hinzufügen. Die Alternativtexte sind dann natürlich eins zu eins das, was auf dem jeweiligem Bild zu lesen ist. So habt ihr die ansprechende Wirkung der handschriftlichen Präsentation und ich kann sie trotzdem mit meinem Screenreader auslesen.

Achtung beim Exportieren

Wenn diese beiden Dinge befolgt werden:

dann ist schon sehr viel getan. Jetzt muss die Präsentation oder das Dokument nur noch gespeichert werden. Und schon lässt es sich beispielsweise bei BigBlueButton als Präsentation einbinden.

Beim Speichern als PDF gibt es in LibreOffice die Option “Universelle Zugänglichkeit (PDF/UA)”. Diese Option muss ausgewählt werden, damit die PDF-Datei barrierefrei ist. Im Anschluss werden euch mögliche Fehler, wie fehlende Bildbeschreibungen nochmal aufgelistet. Mit dieser Auflistung bessert ihr bitte nochmal nach. Wenn ihr diese Auflistung nicht seht? dann habt ihr bereits alles richtig gemacht und ich beglückwünsche euch zur erfolgreich erstellten, barrierefreien PDF-Datei.

Wie immer gilt auch hier: Wenn man diese Schritte von Anfang an mitdenkt, kosten sie weniger Zeit und Mühe. Eine kleine Änderung im Arbeitsablauf kann einen enormen Unterschied machen.

Der positive Nebeneffekt

Als Bonus werden die Dokumente und Präsentationen durchsuchbar. Habt ihr eure Präsentation zur Verfügung gestellt und irgendwann sucht Jemand nach einem Stichwort, das ihr handschriftlich in eurer Präsentation verwendet habt, dann findet man eure Präsentation in den Suchergebnissen. Daraus können sich potenziell neue Aufträge ergeben und man ruft sich ohne viel Aufwand wieder ins Gedächtnis zurück.

Noch Fragen?

Interesse an weiteren Einblicken? Lust, das eigene Projekt mal blind zu erleben? Oder reicht der kurze Hinweis auf vorhandene Barrierefreiheitsprobleme? Vieles ist möglich. Lasst uns einfach mal drüber sprechen. 030 280 400

Dennis Westphal

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