Zwischen den Jahren ist immer eine gute Gelegenheit für neue Dinge. Die Welt der TK (Telekommunikation) ist sehr unterschiedliche zur Welt der IT (Informationstechnologie). Ich mache das (IT) ja schon eine Weile und bin immer wieder überrascht, wie sehr sich Abkürzungen und Konzepte unterscheiden. In diesem Post halte ich meine Erkenntnisse der knapp 30 Stunden Weiterbildung fest.

ISDN-TK-Anlagen - meine ersten Erfahrungen

Meine erste TK-Anlage erhielt ich durch einen Telekom Gutschein in den 90er Jahren in Berlin. Ich wechselte zu ISDN und erhielt ein Startguthaben der Deutschen Telekom über 1.000,00 Deutsche Mark. Passend zum Guthaben konnte ich für 980,00 DM eine Quante-ISDN-TK-Anlage für bis zu 4 Endgeräte erwerben. Damit begannen meine Erlebnisse der wunderbaren Welt der Telekommunikation.

Nach Quante machte ich Station bei Auerswald, Sedlbauer, AVM und einigen anderen. Immerhin versprach uns in Deutschland ja Ron Sommer die wunderbaren Vorteile der High-Speed-Konnektivität. Und ja: ich konnte Faxe senden, Internetverbindungen herstellen, Makeln, Weiterleitungen einrichten und bei Freunden erleben, wie mit hochpreisigen ISDN-TK-Anlagen ganze Callcenter produktiv umgehen konnten. Lang ist her.

VOIP - die andere TK-Anlage

Parallel lernte ich Unternehmen kennen, die die neue Welt von Voice over IP bespielten. Snom, Readytophone, Elmeg und Swyx. Meine Recherchen im Free und Open-Source-Bereich brachten mich schlussendlich auf Asterisk und Digium. VOIP kommt ja von der IT-Seite her. Alles über TCP und UDP. So mit IP-Adressen und Internet-Protokollen - Fax (Emulation) und Nachtschalte, weil das Konzepte sind, die die Welt der Telekommunikation über Jahre hinweg in die Köpfe der Unternehmen und spezialisierten Experten eingepflanzt hat.

Die Wette lief und der Ausgang war durch den Home-Run des Internets eigentlich auch klar. ISDN wird abgeschaltet und IP gewinnt. Oder auf die Spannung von oben: TK verliert gegenüber IP. 2020 sollen die letzten ISDN-Anschlüsse für Geschäftskunden auf All-IP geschaltet werden.

Das können wir doof finden (und ja es gibt gute Gründe das doof zu finden), aber es ist ein Fakt und der Gewinner steht fest.

Baukasten vs. Commodity

Telefonieren ist heute Commodity. Jeder bietet es an. Ob Aldi-Talk, Vodafone oder Magenta. Die Unterscheidungsmerkmale sind gering und alle bieten vermeintlich das gleiche. Für den eigenen Mobilanschluss geht es am Ende des Tages eher um die Netzabdeckung.

Bei den Workflows bei einem Unternehmensanschluss haben wir es eher mit komplexeren Themen zu tun. Welche Rufnummer soll wen warum erreichen? Wie lange dauert ein Anruf beim Support? Handelt es sich überhaupt um einen berechtigten Anruf? Was passiert, wenn die Kollegen nicht das Gespräch annehmen können? Soll ein Anrufbeantworter geschaltet werden oder ein Besetzzeichen ertönen? Wie umgehen bei Feiertagen oder Betriebsferien? Und haben wir einen eigenen Telko-Raum oder mieten wir irgendwo einen zu? Was passiert, wenn der Wunsch nach einem Videobild oder Screensharing im Telkoraum entsteht?

Die Welt / die Anforderungen sind komplexer geworden. Gut, dass IT gegenüber TK gewonnen hat.