Was ist eigentlich deGov?

Datum der Veröffentlichung

Einmal kurz die Zeit zurückdrehen: 2016 fanden die Drupal Business and Community Days statt. Eine sehr schöne Veranstaltung, die es wert wäre, fortgeführt zu werden. (Sei’s drum. Ein anderes Thema.)

Auf dieser Veranstaltung lernte ich Christian von publicplan und Christoph von 1xInternet kennen. Dass die beiden Namen so ähnlich sind, sorgte bei mir in der Folgezeit (eigentlich bis heute) immer wieder zu Verwirrungen ;)

Während der abendlichen Gesprächsrunden verfestigte sich bei uns allen aus unterschiedlichen Perspektiven der Wunsch, gemeinsam Know-how und Entwicklungspower in einen Topf zu werfen, um da “was zu machen”. Das “was” drehte sich um eine Drupal-Distribution für die öffentliche Verwaltung.

Zwei Jahre und eine gewonnene Ausschreibung später blicken wir auf die ersten mit deGov umgesetzten Projekte zurück. Das war eine tolle Zeit mit viel spannender Erfahrung im Abgleich unterschiedlicher Unternehmenskulturen.

Eines meiner Highlights: Die Kultur bei einem Partner besteht darin, dass Produkt-Owner die Qualität von Tickets soweit herunterschrauben, bis Entwickler die Tickets ablehnen. Die Idee ist spannend, da sie zeitoptimiert erfolgt. Aber das musste auch erst einmal gelernt werden, da die anderen Partner immer davon ausgingen, dass da nichts Besseres geht und sich höflich zurückgehalten haben. Kommunizieren geht so nicht.

Aber diese Schmerzen sind gelernt. Auch das mit dem Nichtkommunizieren. Jetzt sind wir ein schlagkräftiges Team mit zusammen beinahe 100 Mitarbeitern, die Projekte für die öffentliche Verwaltung mit deGov bedienen.

Warum aber eigentlich ein eigenes Produkt dafür?

Bei unseren Überlegungen und Recherchen haben wir festgestellt, dass bis zu 95 % aller Anforderungen an Websites der öffentlichen Verwaltung gleich sind. Blöd, wenn unsere Steuergelder in jedem Projekt einzeln für Agenturdienstleistungen ausgegeben werden, um erst einmal den Bedarf ermitteln. Dann werden Konzepte erstellt, Mitarbeiter auf individuelle Workflows trainiert. Bald wechseln die Mitarbeiter die Stellen und können sich neu einlernen. Und auch ich als Berliner will eigentlich nicht umlernen müssen, wenn ich Reisepass, Personalausweis, Führerschein oder eine andere Leistung der öffentlichen Verwaltung in Anspruch nehmen will. Egal ob in Berlin oder BaWü.

gov.uk macht uns schön vor, wie es gehen muss. Okay. Wir leben in einem föderalen Staat und jedes Bundesland macht es, wie es will. Ich habe aber Hoffnung. Bin ja auch ein Optimist.

Mit Nordrhein-Westfalen konnten wir das erste Bundesland gewinnen, das der Idee der Vermeidung unnötiger Steuergeldverschwendung nicht abgeneigt war. Wir haben unser deGov-Produkt dafür in 4 Schichten aufgeteilt und umgesetzt. Ach ja, es wurde noch gar nicht erwähnt: deGov setzt auf Drupal 8.x auf. Damit folgt es der Lizenzierung als Open-Source-Software. #yeah.

Schichtenmodell

  • Schicht 1 umfasst den Drupal-Core und contrib-Module.
  • Schicht 2 umfasst die Anpassungen von Kern und Modulen in Funktionalitäten für die öffentliche Verwaltung.
  • Schicht 3 umfasst Anpassungen für das Bundesland (z. B. ein abgestimmtes Landesdesign und bundeslandspezifische Anpassungen).
  • Schicht 4 umfasst die 5 % Sonderlocken, die eine Website fordert, weil sie etwas ganz Besonderes darstellen will.

Sofern wir auf die Sonderlocken aus Schicht 4 in einer Projektumsetzung verzichten können und unter der Voraussetzung, dass die Verantwortlichen dieses Projektes alles auch selber machen können, kostet die Website genau 0,00 Euro zusätzliches, für externe Dienstleister auszugebendes Geld. Das ist Open-Source. Das ist Steuergeldoptimierung. Ich freue mich, dass das langsam in den Köpfen derer ankommt, die mit unserem Geld sinnvoll umgehen sollen. Danke dafür.

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Stephan Luckow

Stephan ist Open-Source-Evangelist und ständig neugierig auf Technologien. Thematisch lassen sich seine Blogbeiträge am ehesten zusammenfassen unter "Wissensdurst (vorerst) gestillt".